Geschichtstafel am Hagentor

Wer an diesem Wochenende den Kirchenhügel von der Straße am Hagentor erklimmt, um zum Stadtfest zu gelangen, wird an der, im Beisein der Bürgermeisterin Stephanie Harms und etlichen interessierten Politikern und Gästen, vom Heimatbund aufgestellten Tafel mit geschichtsrelevanten Daten der Kernstadt Ronnenberg vorbeikommen. Diese Tafel steht im Zusammenhang mit der, im November 2018 aufgestellten Stele, zum 1050jährigen Jubiläum der Stadt Ronnenberg. Dieser von zwei prächtigen Linden beherrschte Platz, eignet sich ideal um Besucher und Bürger unserer Stadt ein wenig über die 2000jährige Geschichte zu erzählen. Schon einmal hatten unsere Vorgänger an dieser Stelle einen Findling aufgestellt der von einer 1400jährigen Geschichte Ronnenbergs berichtete. Der Findling ist immer noch zu bewundern, nur leider ging die eingemeißelte Jahreszahl durch Wettereinflüsse oder Vandalismus verloren. Mittlerweile können wir uns, und dies verdanken wir in großem Maße unserem Vorsitzenden Karl-Friedrich Seemann, auf belegbare Geschichtszahlen stützen. Unsere derzeitige, belegbare Geschichtszahl bezieht sich auf Widukind von Corvey, der in seiner Sachsengeschichte (Res gestae Saxonicae) 968 Ronnenberg erwähnt.

Die von Seemann zusammengetragenen Geschichtsdaten kommen nun wieder ein wenig in Bewegung, denn die z.Z. im Landesmuseum laufende Ausstellung ›SAXONES‹ berichtet ausführlich über die Hellwege, der ›Hellweg vor dem Sandforde‹ der zwischen Gehrden und Ronnenberg seinen Verlauf hatte, brachte nicht nur in Römischer Zeit Soldaten vom Rhein an die Elbe, sondern hier wurden auch Kultur und Waren transportiert. Nicht auszuschließen ist, dass im Jahre 530 als die Germanischen Stämme – Merowinger und Thüringer – um Einfluss und Macht kämpften, der Hellweg vor dem Sandforde, in unmittelbarer Nähe Ronnenbergs gelegen, als Aufmarschgebiet genutzt wurde. So berichtet die Ausstellung im Landesmuseum über eine, für die damalige Zeit, recht aufwendige Grablege, in der Nähe unserer Nachbarortschaft Hemmingen, von einem sehr hochstehenden Stammesführer mit Pferd, Gefolge und reichen Grabbeigaben. Bemerkenswert ist, dass alle hier bestatteten, offensichtlich durch eine Kriegshandlung, ihr Leben lassen mussten. Datiert wird diese Grablege auf das 5. und 8. Jahrhundert, also auf eine Zeit, die sich auf Kriegshandlungen in der Nähe ›Runibergun‹ beziehen könnten. Wann und wie weit die Archäologen und Historiker zu einer abschließenden Aussage gelangen, dass dieser Fund mit den Schlachtereignissen zwischen Merowingern und Thüringern im Jahr 530/31 in Verbindung zu bringen ist, ist im Moment noch offen – ein Zusammenhang mit diesem Ereignis ist aber z.Z. nicht auszuschließen. Schon der damalige Bürgermeister Arthur Sommer wurde nach einem Presseinterview 1980 mit folgenden Worten zitiert: „Von dem Jahr 530 an wird auch die Geschichte Ronnenbergs gezählt, obwohl mit Sicherheit der Ort sehr viel älter ist.“ Eine 14C Radiokarbonanalyse, so ist aus dem umfangreichen Begleitkatalog zu entnehmen, hat stattgefunden, daher die Datierungsaussage der hier bestatteten Krieger. Woher die Männer kamen und wo sie vorher gelebt haben, bedarf, nach meiner Information, noch einer genaueren Klärung.

Die Geschichte Ronnenbergs lebt von immer wieder neuen Erkenntnissen und Archäologischen Funden, auch hier ist noch längst nicht alles entdeckt worden. Die schon geborgenen Artefakte im Umfeld unseres Stadtkerns bedürfen einer wissenschaftlichen Auswertung. Leider verschwinden wichtige Ausgrabungen in den Archiven, ohne dass eine eingehende Untersuchung oder Auswertung stattgefunden hat. Spätere Generationen haben hier noch eine große Aufgabe vor sich.

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